Eigentlich wollte ich mit diesem Post warten, bis ich wieder in Deutschland bin. Allerdings hatte ich eine so angenehme Nacht, dass ich eine kleine Planänderung gerne in Kauf nehme.

Auf der Farm bin ich mit nichts weniger als bedingungsloser Gastfreundschaft aufgenommen worden. Meine Gastgeber versorgen mich um ein weites mehr als ausreichend und ich finde es mehr als unangebracht dies hier so exponiert darzustellen. – Ein muslimischer Familienangehöriger der urschottischen Famile in meinem Alter hat mich Abend nach Abend in meinem Caravan besucht und mir so ein Zuhause gestiftet. Gastfreundschaft scheint mir ein universelles Privileg auf meinen Reisen zu sein.

Heute Abend ging das Oktoberfest in München los. Unzählige Deutsche und Touristen werden dem endlosen Biergenuss fröhnen und zusammen feiern. Hier in Schottland feierten wir unsere eigene Enstsprechung dieser Glückseeligkeit. Adam, seine Frau Preya und ihr Sohn Eddy nahmen mich mit nach Dumfries um für einen Grillabend einzukaufen. In einem polnischen Laden kaufte Adam Wurst, die der in Deutschland beliebten „Brühpolnischen“ nahe kommt. Danach gingen wir in einen Tesco, der alle meine kontinentale Vorstellungskraft sprengte. Man stelle sich einen großen Supermarkt in Deutschland vor und füge das Doppelte an Größe dazu und man hat die ungefähren Ausmaße des Tescos, in dem wir waren. Mir wurde wirklich schwindlig.

Das eigentliche Thema, das ich eigentlich ansprechen will, ist so hässlich, wie die Nacht. Das erste mal, dass Preya und Adam mich am Caravan abholen ließen, war am selben Tag, als ein polnischer Mann neben seiner Tochter in Essex zu Tode geprügelt wurde. Die Täter waren eine große Gruppe Jugendlicher. Auch im McDonalds in Dumfries benahmen sich 12-16jährige weit unter aller Würde und pöbelten die Bedienungen an. Die gesamte Zeit, die wir dort verbrachten, wurden wir von anderen seltsam angestarrt. Mag es aufgrund Adam’s polnischem Akzent, meinem deutschen Akzent oder Preyas dunkler Hautfarbe gewesen sein. – Es fühlt sich nicht schön an, abgesondert zu sein. Für Adam und seine Familie gehört dies aber zum Alltag, und später teilten sie mir mit, dass sie schon einige negative Erfahrungen mit Jugendlichen in England und Schottland gemacht hätten. Ich möchte allerdings alle ansprechen, die in Deutschland die Muslime als die Feinde der Grundordnung aufgerufen haben. Die Hatz auf Polen in den UK zeigt, dass es nicht an der Herkunft oder dem Glauben liegt, ob man verfolgt wird, es ist lediglich die Akzeptanz in der Mehrheit der Bevölkerung, die den Hass legitimiert. Ob der Islam zu Deutschland gehört, ist eine genau so dumme Frage, wie die, ob die Polen nach Großbritannien gehören.

Heute Nacht jedenfalls genossen wir die großartigen polnischen Würstchen vom Grill. Ein 58-jähriger Italiener, ein 23-jähriger Deutscher bei einer typisch schottischen Familie aus Schottland und Mauritius vor einer der atemberaubendsten Landschaften der Welt.

Das Bild im obigen ist mehr als Mahnung an jene gedacht, die Europa als Festung betrachten. Ich verachte diejenigen!

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Ein Gedanke zu “Europa

  1. Bravo Florian, das ist die einzige Haltung – diese Entwicklung ist die Enttäuschung meines Lebens, wir dachten wirklich in unserer Jugend, diese Zeiten wären ein für allemal vorbei

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