Post London

Heute morgen habe ich London mit dem Zug hinter mir gelassen. In genau vier Wochen werde ich wieder dorthin fahren, um ein Flugzeug zurück nach München zu besteigen. Dazwischen liegt das Grove Hill House.

London war eine fantastische Erfahrung. Durch Shelter habe ich eine Menge gelernt. Wie man mit Menschen in einer Sprache umgeht, die man nicht perfekt beherrscht. Wie man den Menschen hinter der unfreundlichen Fassade sieht und bewertet, ob derjenige nicht einfach in einer schlimmen Situation steckt – oder eben doch ein geiziges Arschloch ist. Ich habe die Geschichte der Gegend, in der ich lebte kennen gelernt und die Ängste der Anwohner vor der drohenden Abrissbirne geteilt.
Gleichzeitig konnte ich die Freuden genießen, die eine Weltstadt zu bieten hat. Ich konnte Museen besuchen, großartiges Pubessen genießen, zu Festivalmusik tanzen und eine erschreckende Menge Geld ausgeben. Auch wenn man mich dafür für einen simplen Urlauber halten könnte: Ich würde diese vier Wochen um nichts in der Welt missen wollen.
Nun jedoch beginnt der Abschnitt meiner Ferien, den ich ursprünglich geplant hatte. Bevor mir London „dazwischenkam“, waren acht Wochen Landleben geplant. Nun sind es vier. Eine gute Aufteilung, um den starken Kontrast zwischen Metropole und Bauernhof zu erleben.

Meine Gastgeber, Lyn und Collin, sind furchtbar nette Leute. Collin fröhnt dem trockenen britischen Humor und macht hervorragendes Eis, während Lyn die Herrin des Landlebens ist und durch ihre Verwandten in aller Herren Länder immer etwas zu erzählen weiß. Außerdem kocht sie hervorrangend, macht tolle Marmeladen und Chutneys und weiß für so ziemlich jedes Produkt ihres Gartens drei Verwendungsmöglichkeiten. Der Garten selbst ist gar nicht mal so groß, aber bepflanzt mit allerlei leckeren Sachen: Gerade lassen sich Feigen, Himbeeren und Brombeeren ernten, was ich nach dem Mittagessen, das man hier kalt zu sich nimmt, auch gleich tun durfte. Naschen war natürlich erlaubt.

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Die Stars des Grundstücks sind aber definitiv die Tiere. 34 Hühner sind es derzeit, Lyn wollte ursprünglich zwanzig. Zwei Enten habe ich schon gesehen, möglicherweise halten sich noch ein paar versteckt. Drei Katzen räkeln sich vor dem sechzig Jahre alten Ölofen, der gleichzeitig Zentralheizung, Backofen und Herd ist. Schweine und Schafe leben im Wald und auf der Wiese hinter dem Gemüsegarten. Alle Tiere werden letztendlich geschlachtet, das ist nicht für jeden etwas. Wie ich damit umgehe, dass ich ein Tier essen könnte, das ich vorher noch gefüttert und gestreichelt habe, weiß ich selbst noch nicht. Das Huhn in Tomatensoße, von Lyn zum Abendessen kredenzt und mit Zucchini aus dem Garten serviert war jedenfalls sehr geschmackvoll. Wir werden sehen.

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Until there’s a Home for Everyone

Nun habe ich Shelter einfach das Motto als Überschrift entwendet. Da ich aber hiermit kein Geld verdiene, sondern im Gegenteil kostenlose Werbung für Shelter mache, sollte das in Ordnung sein. Denn dieser Post sei dem Ort gewidmet, an dem ich die letzten vier Wochen meines Arbeitslebens verbracht habe.

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Einmal wieder Kind sein

Jeder hat so diese Kindheitserinnerungen, an die man jahrelang nicht heran kommt, bis irgendetwas ganz triviales sie zum Vorschein bringt. Bei mir sind diese Erinnerungen, wie ich vor kurzem herausgefunden habe, eng an Interessensgebiete geknüpft. Und werden durch das ausgelöst, was die Interessensgebiete von Kindern am Besten ausdrückt: Spielzeug.
Nicht unbedingt Spielzeug im eigentlichen Sinne, aber auch das. Auch das, was man gemeinhin geschlechtsstereotypisch als Männerspielzeug bezeichnet: Raumschiffe, Raketen, Panzer. Auch Dinosaurier(-Skelette), Vulkansimulationen und Mineralien gehören dazu. Man mag es sich schon denken können: Ich war im Museum. Nämlich im Natural History Museum und dem Science Museum, beide praktisch gelegen in South Kensington, einen Steinwurf von meiner Bleibe entfernt. Und dort habe ich mich seit langem zum ersten Mal wieder in meine Kindheit zurück versetzt gefühlt.

National History Museum (31)

Das Natural History Museum ist gigantisch. Vier Zonen hat das Gebäude, lose aufgeteilt in Erdkunde, Evolution, Tierfossilien und Mensch. Ich habe davon gerade mal zwei gesehen, und auch die nicht erschöpfend. Zwischen Dinofossilien, großen Modellen von Walfischen und Pfauenfedern fühlte ich mich an die kleinen Plastikdinos und Ausgrabungssets erinnert, die ich als kleiner Junge von meiner Mum geschenkt bekommen hatte. Ich war nie wirklich ein Fan von Spielfiguren, wenn sie nicht von Lego waren und Bionicle hießen. Aber mit Dinoskeletten konnte ich mich ewig beschäftigen. Gleiches galt für die Mineralienhalle. Zwischen Meteoriten, Granit und Edelsteinen konnte ich mich stundenlang verlieren – wenn die Füße noch mitgemacht hätten nach sechs Stunden rumstehen.

National History Museum (41)

Der eigentliche Offenbarungsmoment ergab sich allerdings im Science Museum, genauer gesagt in der Weltraum-Ausstellung. Das Universum hat mich schon als Dreikäsehoch interessiert, ständig musste meine Mutter mit Was ist Was?-Bücher aus der Stadtbibliothek mitbringen. Als ich dann so zwischen Apollo-Raumkapsel, Black Arrow-Raketen und einer schwebenden Projektion der Erde stand, mit glänzenden Augen und breitem Grinsen, da fühlte ich mich in eben diese Begeisterung zurück versetzt. Wenn mich die Naturwissenschaften in der Schule nicht so gründlich abgeschreckt hätten, wer weiß ob ich nicht sogar hätte Astronom oder Geologe (zur Erforschung der Marsböden, natürlich) hätte werden wollen. So jedenfalls waren alte Freuden geweckt und die Begierde nach Büchern zum Thema ebenfalls. Aus dem Museumsshop durfte es dann auch noch eines dieser klassisch englisch-amerikanischen Vulkanbastelsets sein – das werden meine Freundin und ich zuhause mit viel Vergnügen explodieren lassen. Es ist schön, mal wieder Kind sein zu dürfen!

 

Ein Dach, ein Job und ein Buch

Volunteering ist eine große Sache in England. An zentralen Punkten jedes größeren Wahrzeichens der Hauptstadt stehen pinkbekleidete ältere Herrschaften mit der Aufschrift ‚Team London‘ und warten darauf, von ahnungslosen Touristen nach dem Weg gefragt zu werden. Dann helfen sie mit einer Güte und Leidenschaft aus, die jeden bezahlten Dienstleister vor Neid erblassen lassen sollten. Weiterlesen

Rerouting to London Citylife

München-London. Ein Routineflug, möchte man meinen, den Businessmen aller Sparten mehrmals wöchentlich auf sich nehmen. Eine Stunde und vierzig Minuten Flugzeit, erschwert höchstens durch genau so viel Wartezeit im Check In-Prozess. Wenn der Abenteuerurlaub allerdings hier schon beginnt, dann weißt du: Du bist mit easyjet geflogen. Weiterlesen